UXers, wie hoch ist euer Selbstvertrauen, wenn es um IA geht?

Lena Pietsch • 04.02.2021

Allein in meinem Masterstudium habe ich unzählige Methoden kennengelernt. Was sich – um ehrlich zu sein – gerade zu Beginn wie Vokabeltraining im Lateinunterricht anfühlen kann. Jetzt sitze ich hier mit meinem Rucksack voller Tools.

Bei meiner Design-Umfrage bin ich auf eine erstaunliche Lücke gestoßen
Keywords
  • Core extend jump
  • Product design
  • User experience

Allein in meinem Masterstudium habe ich unzählige Methoden kennengelernt. Was sich – um ehrlich zu sein – gerade zu Beginn wie Vokabeltraining im Lateinunterricht anfühlen kann. Jetzt sitze ich hier mit meinem Rucksack voller Tools. Vor mir das weiße Blatt Papier. Und eine Hürde, die mich bereits im ersten Schritt in die Knie zu zwingen scheint. Die Informationsarchitektur. Fehlt mir tatsächlich das Werkzeug, um die Hierarchie und Struktur meiner Inhalte evident zu definieren? Oder übernimmt das jemand mit einem anderen Profil?

Ich habe 67 UX-Professionals dazu befragt. Über Linkedin und Instagram ging die Umfrage an Kandidaten mit der Jobbezeichnung UX-/UI-Designer (49 %), Product Designer (19 %), UX-Spezialist, Manager oder Consultants (17 %), wie auch UX-Studenten (4 %). Rund zwei Drittel sind nicht mehr als drei Jahre in ihrem aktuellen Job, das andere Drittel hat mit mehr als vier Jahren schon mehr Erfahrung. Die allermeisten Teilnehmer haben eine akademische Ausbildung absolviert. Rund die Hälfte konnte einen Bachelor oder ein Fachhochschuldiplom vorweisen 53 %. 38 % haben sogar einen noch höheren Abschluss wie Master, Magister oder ein Staatsexamen. Wir sollten also einen relativ guten Querschnitt über die aktuellen Methoden in Lehre und Praxis gewinnen können. So viel vorab, die Ergebnisse dieser Umfrage haben nicht nur mich überrascht.

Informations­architektur gehört zum Tagesgeschäft

Wie viele Aufgaben aus der Informations­architektur kommen tatsächlich unter realen Bedingungen im UX-Alltag vor? Hätte ja sein können, dass ich mir Gedanken um eine Sache mache, die im Berufsleben irrelevant ist. Aber nein, dem war nicht so – ganz und gar nicht. Denn alle sieben Aufgabenfelder, die ich aus dem Berufsbild eines Informations­architekten herausgefiltert habe, werden von mehr als 60% der Professionals auch dem UX-Design zugeordnet. Dabei gehört mindestens eine dieser Aufgaben bei nahezu allen Befragten zum Tagesgeschäft. Es steht also außer Frage, ob IA und UX eng miteinander verwoben sind. Gleichzeitig stelle ich mir die Frage, warum wir im Studium auf diesem Gebiet nur so wenig Input bekommen haben?

Auswertung basierend auf den Fragen: Which of these activities do you think are part of the profession as a UX/UI designer? & Which of those activities do you perform in your daily work?

Auswertung basierend auf der Frage: In which of these skills do you feel competent?

Mangel an Selbstvertrauen

Von den Professionals wollte ich auch wissen, wie kompetent sie sich bei diesen Aufgaben fühlen. Überraschung: Es scheint vielen von ihnen ähnlich wie mir zu gehen. Obwohl die UX-Designer die Aufgaben unserem Beruf zuordnen, fühlt sich ein Teil von ihnen nicht sicher in diesen Skills. Zum Beispiel stufen 87 % der Befragten das Bilden einer logischen Informationshierarchie als sehr relevant ein. Aber nur 64 % fühlen sich kompetent genug, diese Aufgabe zu lösen. Die Differenz beträgt 23 %! Ähnliche Lücken zwischen Relevanz und gefühlter Kompetenz weisen auch die anderen Tätigkeiten auf. Also ist IA zwar ein wichtiger und tragender Bestandteil im UX-Design, aber nicht alle fühlen sich richtig sattelfest.

Auswertung basierend auf der Frage: What tools or methods do you use to structure a single page?

Lücke im Methodenset

So gut wie alle Professionals geben an, mindestens eine Tätigkeit aus dem IA-Kontext regelmäßig auszuführen. Welche Methoden verwenden sie dafür? Doch gerade einmal die Hälfte (51%) konnte mir welche nennen. Wie die andere Hälfte diese Aufgaben löst, bleibt im Dunkeln. Immerhin: Trotz der rapide gesunkenen Zahl von Antworten kam ein breites Spektrum verschiedener Methoden zusammen, um den IA-Aufgaben gerecht zu werden. Doch auf die anfängliche Euphorie folgte schnell Ernüchterung. Im Grunde gibt es keinen Standard; keine Methode wird von einer Mehrheit der Designer genutzt.

Die meist genannte Methode ist das Card-Sorting mit gerade mal 12 %. Das bedeutet also, dass sich nur acht der insgesamt 67 befragten UX-Designer bei der Methodenauswahl einigen würden.

Da passt es ins Bild, dass einige Professionals sogar ihre eigene Methode entwickelt haben, um diese Aufgaben zu bewältigen. Scheinbar haben sie in dem Pool von Methoden keine einzige passende gefunden und nutzen deshalb eine eigene Herangehensweise.

Auswertung basierend auf der Frage: How important do you consider mechanisms of behavioural psychology in the context of information architecture?

Welche Rolle spielt Verhaltenspsychologie?

In meiner Masterarbeit habe ich untersucht, inwiefern uns Erkenntnisse aus der Verhaltenspsychologie bei der Informationsarchitektur helfen können. Nun wollte ich wissen, wie das Professionals einschätzen. Überraschenderweise stufen mehr als 85 % diesen Zusammenhang als wichtig (4) bis sehr wichtig (5) ein. Und das, obwohl es bisher keine Vorgehensweise gibt, die auf den Erkenntnissen der Verhaltenspsychologie aufbaut. Das ist umso erstaunlicher, da wir das Verhalten der Nutzer unserer Produkte an vielen Stellen erforschen. Ausgerechnet für den Aufbau einer Informationsstruktur verzichten wir jedoch darauf, wissenschaftlich begründete Muster als Grundlage zu verwenden.

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick
23 %
Jeder fünfte UX-Designer fühlt sich nicht kompetent genug wenn es darum geht, eine Informationsarchitektur zu entwickeln.
50 %
Die Hälfte der UX-Designer nennt gar keine Methode. Die genannten Vorgehensweisen werden jeweils nur von einem sehr kleinen Teil praktiziert.
80 %
Über 85 % der UX-Designer sehen einen direkten Zusammenhang zwischen Verhaltenspsychologie und Informationsarchitektur. Trotzdem gibt es bislang keine Methode, die auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Verhaltenspsychologie aufbaut.
Kein Problem das System zu wechseln

Weder bei meiner Recherche noch bei meiner Umfrage konnte ich eine Vorgehensweise finden, die von einem Großteil der UX-Designer praktiziert wird und die auch mir dabei helfen könnte, eine funktionierende IA aufzubauen. Auch erfahrene Designer scheinen sich nicht auf eine Methode einigen zu können. Es zeugt von Unsicherheit, wenn sich nur rund 60 Prozent beim Entwickeln einer Informations­architektur kompetent genug fühlen. Diese Unsicherheit ist nicht nur für uns UX-Designer im Design-Prozess spürbar. Auch für unsere Kunden und alle Nutzer, die mit dem Produkt interagieren.

Das muss nicht so sein. Vor allem dann nicht, wenn die Lösung für das Problem so nahe liegt. Verhaltens­psychologie und IA stehen in direktem Zusammenhang. Wir erklären dir, wie du dir die Erkenntnisse der Verhaltens­psychologie zu Nutze machst , um auf die Absichten und Ziele der Nutzer mit der IA einzuzahlen. Gleichzeitig geben wir dir mit Hilfe von Core Extend Jump ein Werkzeug an die Hand, mit dem du deine Inhalte entsprechend modellieren kannst.

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